Cardigan für Oliver

7. Februar 2011 | Von | Kategorie: Design, On my Needles

Foto: MaschenGold

Mein guter Freund Oliver ist ein modisch interessierter Mann, und ich möchte ihm einen modernen, aber zeitlosen Cardigan stricken. Er hat ein solches Stück wirklich verdient, denn der Erfolg von MaschenGold gebührt auch ihm. Er hatte mir einige Fotos verschiedener Mode-Label gezeigt, und wir waren uns schnell über ein Modell einig, das als Inspiration dienen sollte: Es sollte eine offen getragene Jacke mit einer auffälligen, in einen Kragen übergehenden Blende werden. Schmal geschnitten, aber den Vorderteilen Spielraum lassend. Wir blätterten uns durch einige Strickmuster-Bücher, und er entschied sich erstaunlich schnell für ein Zopfmuster für Blende und Kragen.

Foto/Copyright: MaschenGold


Ich war positiv überrascht. Zum einen darüber, wie zielsicher er durch die verschiedenen Muster blätterte (denn natürlich hatte er noch nie zuvor einen Blick in ein solches Buch geworfen) und wie genau er wusste, was er wollte. „Nicht zu verspielt, aber auch nicht zu schwer. Nicht zu graphisch. Aber die Zöpfe sollen ein eyecatcher sein.“ Damit kann ich arbeiten!
Ich machte eine schnelle Zeichnung. Ganz besonders wichtig war ihm die Partie, an der die Blende in den Kragen übergeht – denn die Blende soll kein Schalkragen werden, aber insgesamt doch wie ein Schal wirken. Hm. Leichter zu stricken als zu zeichnen.

Da das Garn bereits ausgewählt war – Oliver hatte sich aus einer Vielzahl von Garnen für eine Merino-Kaschmir-Mischung entschieden – konnte ich das Muster sofort ausprobieren. Während Oliver also noch bei mir auf dem Sofa saß, begann ich mit einem Probestück und strickte zügig einen Rapport. Das Muster strickt sich wirklich schnell, da es leicht zu merken ist. Auf dem Foto sah das Muster viel komplexer aus. Um so besser, dann ist der Cardigan schneller fertig. Und das Muster gefiel ihm immer noch.

Dann haben wir noch schnell Maß genommen und ein bisschen wegen der Weite (insbesondere der Ärmel), aber auch der Länge insgesamt hin und her überglegt. Ich denke, wir haben eine gute Lösung gefunden.

Heute werde ich eine ordentliche Maschenprobe für das Grundmuster (glatt rechts) anfertigen (die für den Zopf ist ja schon fertig) und beide einmal waschen und dann blocken. Das ist insbesondere wegen des Zopfmusters wichtig. Dann folgt die maßstabsgetreue Zeichung. Wenn es nach Mari Lynn Patrick ginge, würde ich danach zunächst die komplette Anleitung schreiben. Mal sehen, ob ich diese Vorgehensweise ausprobiere, vielleicht ist das ja der Königsweg…

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Ein Kommentar auf "Cardigan für Oliver"

  1. Wollich sagt:

    Liebe Martina,

    ob es ein Königsweg ist weiß ich nicht, aber ich denke, dass man wirklich immer eine Maschenprobe im Muster machen sollte und die auch waschen und etwas spannen. Ein größeres Strickstück verändert eine MaPro schon allein aufgrund seines Gewichts. Wenn ich ein Garn verwende, bei dem ich weiß, dass es zu Längenwachstum neigt (z.B. Seide oder Leinen), ist eine GESPANNTE Maschenprobe IMHO unerlässlich.

    Bisher war es bei meinen Designs immer so, dass ich mich auf die gewaschene und gespannte Machenprobe verlassen konnte. Immer wenn ich Angst bekam und etwas doch lieber ein bisschen weiter, ein bisschen länger gestrickt habe, kam es am Ende nicht so hin, wie ich es geplant habe. Sah zwar immer noch gut aus, aber es saß eben nicht PERFEKT. Der Mut, mich auf meine MaPro zu verlassen musste sich erst einstellen.

    Wenn ich schon wochenlang Zeit und natürlich auch entsprechend Geld für ein gutes Garn investiere, dann sollte das Ergebnis auch zumindest gut sein.

    Fazit: natürlich hat Mary Lynn recht: Maschenprobe und Vertrauen in die eigene Handwerkskunst und Erfahrung sind das A und O für eine Anleitung. Wenn das zusammenkommt kann man sich auch darauf verlassen, dass es so sitzt, wie man es sich im Geiste vorgestellt hat. Theoretisch kann man so auch gleich die Anleitung schreiben. Praktisch hat man vielleicht einfach LUST das ausgedachte Design erst einmal selbst zu stricken.

    Ohne Maschenprobe und am besten noch mit einem anderen Garn ein fremdes Design nachstricken – das ist für mich ein wenig wie eine Vollgasfahrt im Nebel.
    Liebe Grüße und danke für deine informativen Beiträge
    Dagmar

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