Ich war einmal…

16. Mai 2011 | Von | Kategorie: Design, On my Needles, Tipps

Als ich gestern an diesem Cardigan weiterstrickte (ähm ja, der liegt schon länger im UFO-Körbchen, aber der nächste Herbst kommt ja erst in ein paar Monaten…) und bemerkte, dass Muster von Ärmel und Vorder-/Rückenteil höhenmäßig nicht zusammenpassen würden, überlegte ich hin und her, wie ich das Problem lösen könnte. Wenn ich das Muster beim Ärmel bis zur passenden Stelle weiterstricken würde, würde der Ärmel ca. 6 cm zu lang. Würde ich nicht passend stricken, würde mich dieser Musterversatz ewig und drei Tage ärgern, weil es einfach nicht gut aussieht. Was also tun?

Üblicherweise bin ich recht unerschrocken, was das Anpassen von Strickstücken anbelangt. Als ein Steek sich neulich einmal trotz aller Sorgfalt dennoch löste und ich plötzlich nur noch keine rote Fadenschnipsel zwischen den Fingern hatte, schob ich das teure Alpaka-Jäckchen kurzerhand unter die Nähmaschine und versäuberte vorsichtshalber alle Schnittstellen (statt der Armauschnitte hatte ich ebenfalls einen Steek eingearbeitet) mit einem kleinen Zickzack-Stich. Das schmälert natürlich ein wenig den „Handarbeits-Anteil“ an diesem Strickstück, hält dafür aber bombenfest. Und als mir bei der fast fertigen Lace-Strickjacke, die ich für mich selbst stricke, auffiel, dass die Ärmel zu kurz waren, schnitt ich am unteren Rand einfach ein Stückchen ab, fing die Maschen auf, strickte ein Lace-Bündchen und nähte es mit Maschenstich an den Ärmel an.

Letzteres Vorgehen wollte ich auch für den Ärmel der Herrenjacke anwenden (natürlich ohne Lace-Kante…). Da ich immer mit einem Kreuzanschlag arbeite (der Trend geht jedoch eindeutig zum provisorischen…), gestaltet sich das Aufribbeln aber nicht so leicht. Kurz bevor ich zur Schere griff, kam mir jedoch eine Idee. Ich hatte neulich bei einer Blogkollegin gelesen, dass sie das Bündchen aufgeribbelt hatte. Mir war ein Rätsel, wie sie das angestellt hatte – ich erinnerte mich nämlich daran, dass es einfach nur unsäglich frustrierend ist und nicht zum gewünschten Ergebnis führt. Aber… wer weiß, vielleicht würde es ja doch irgendwie klappen (ich alte Tüftlerin) – und schneiden könnte ich ja immer noch.

Gesagt, getan. Es ribbelte sich ganz gut, allerdings wollte sich nur jede zweite Masche des Rippenstricks auflösen. Wusste ich es doch! Ich ribbelte dennoch weiter und rettete jede Masche auf einer Nadel, bis sich am Ende 16 der 34 angeschlagenen Maschen auf ihr befanden. Noch bevor ich überlegen konnte, wie ich die restlichen Maschen würde retten können oder ob die Schere doch zum Einsatz würde kommen müssen, fiel mir etwas auf:









Seht ihr es?
Seht ihr dieses wunderhübsche filigrane Muster, das zugegebenermaßen nicht zu einer Herrenjacke und auch eher nicht zu einem Tweed-Garn passt, sich aber ausnehmend gut als Abschluss machen würde? An Ärmeln, Blenden oder gar an einem Rocksaum? Aus einem leichten, glatten, gut verzwirnten Garn? An Strickstücken, die man ansonsten ganz schlicht halten könnte – einfach weil das „edging“ so wunderschön und tricky ist? Endlich bekommt Ribbeln einen Sinn und führt zu einem Ergebnis – etwas Neues entsteht! ;-)

Das Bündchen wird natürlich weiter geribbelt oder sonstwie entfernt. Stattdessen gibts dann nur einen kleinen Saum…

Und… als wär das noch nicht genug Glück… seht mal, was ich heute Morgen auf meinem Balkon entdeckt habe:










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2 Kommentare auf "Ich war einmal…"

  1. Wollich sagt:

    Congratulations zu deinem mutigen Schritt / Schnitt ;o) Kürzlich wurde ich mit dem Thema „Sockenblank“ konfrontiert. Als bekennende NSK (No Socks Knitter) musste ich mir erst lang und auch breit den per Hand oder per Maschine zu strickenden.. ääähhh… Lappen(?) visualisieren. Der Sinn des ganzen Gestrixels und danach Geribbels hat sich mir zwar dann erschlossen, aber ich finde es schon arg bemüht, sorry.

    Möchte deine Idee selbstverständlich nicht in die Nähe dieses Zeitschlagetodgestrickes rücken und weiß natürlich auch, dass du ein Zwinkern in deinen Beitrag eingestrickt hast. Trotzdem warte ich jetzt gespannt auf eine Fortsetzung deines Ribbelexperiments als Gestaltungselement.
    Liebe Grüße
    Dagmar

    • Martina Hecht sagt:

      Meine Ribbelei bzw. das Ergebnis waren ein lustiger Zufall, denn natürlich mag ich Ribbeln überhaupt nicht. Es sei denn, das Gestrick wird anschließend fehlerfrei, noch schöner oder führt zu Neu-Entdeckungen dieser oder jener Art. Wir wissen ja: Merk dir deine Strickfehler – sie könnten dich zu Neuem inspirieren ;-). Den Trend Sockenblank kenne ich nur vom Lesen – mir als Tüfterlin gefällt daran, Einfluss auf den Farbverlauf nehmen zu können. Ich würde aber wahrscheinlich nicht stricken und ribbeln, sondern stricken und anmalen ;-).

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