Lazy Anna

1. Juni 2011 | Von | Kategorie: Design, News

Wer mich schon öfter besucht hat weiß, das ich Lace-Strick über alles liebe. Ich habe schon viel damit experimentiert; Lace-Panels in Strümpfe, Jacken und Pullover eingebaut oder für Bündchen und Blenden verwendet. Gerade arbeite ich an einem Kissen für den Wettbewerb bei Knitty Bitty (Einsendeschluss ist der 15. Juni, für alle, die noch teilnehmen möchten). Mich fasziniert die Vielfalt an Mustern – manchmal fast schon Bildern -, die man mit dieser Technik stricken kann und, wie unterschiedlich Lace an verschiedenen Kleidungssstücken/Accessoires wirkt. Aber auch, wie sich ein Strickbild je nach verwendetem Garn und Nadelstärke ändern kann.

Lace-Tücher sind für mich eine der Königsdisziplinen. Da mein Ziel ist, irgendwann auch in diesem Bereich eigene Designs zu entwerfen, habe ich mich in der Vergangenheit an meinen Vorbildern (u. a. Anne Hanson; ihr Tuch Maplewing ist seit meinem New York-Besuch in der Mache…) orientiert und versuche, so viel wie möglich von ihnen zu lernen. Toll finde ich, dass ich mit jedem Tuch etwas Neues entdecke – jüngst zum Bespiel habe ich mir zwei neue Wege für das Zusammenstricken von Maschen angeeignet – Stiche, die mir vorher noch nicht untergekommen waren.

Bei manch einem Tuch stellt sich beim Stricken ein Rhythmus ein, der eine fast meditative Stimmung zaubert – obwohl das Muster auf den ersten Blick wahnsinnig komplex erscheint. Ein anderes wiederum erfordert ein Höchstmaß an Konzentration und Maschenzählen in jeder Reihe – obwohl das Muster einfach anmutet.

Mit das Schönste an Lace für mich ist aber, wie sich auf scheinbar wundersame Weise eine Form bildet, von der man sich nach den ersten Reihen des Rapports nicht vorstellen konnte, wie das rein technisch möglich sein soll. Ich bewundere jene, die in der Lage sind, gestalterisches Talent und Logik auf eine Weise miteinander zu kombinieren, dass am Ende mal ein Hauch von Nichts, mal ein eleganter Halsschmeichler oder eine wärmende Stola herauskommt. Meist aus den feinsten und luxuriösesten Fasern – was das Kunstvolle der Werke noch unterstreicht.

In der vergangenen Woche habe ich ein kleines Tuch (ca. 120 x 60) angefangen und binnen weniger Stunden (weniger als 15) fertiggestellt: Lazy Anna stammt aus der Feder der begabten Birigt Freyer von der Wolllust. Gestrickt habe ich es mit „Quito“ (90% Baby Alpaka, 10% Merino; 50g = 300m) von Filace und lediglich 30g verbraucht (Nadelstärke 3,5). Das Garn ist hier in Köln bei Angela von Das Wollschaf auf der Zülpicher Straße erhätlich. Ich habe einen wunderschönen Beerenton gewählt, der je nach Lichteinfall unterschiedlich intensiv wirkt.

Angela wird ihr Quito-Sortiment in den nächsten Tagen um einige Farben erweitern – neben dem Beerenton gibt es zur Zeit ein wunderschönes Aqua (genannt Turchese), ein Beige und eine ungefärbte Variante. Vielleicht gibt es dieses tolle Garn demnächst auch auch Pink, Grau und einem sommerlichen Gelb oder Grün. Außerdem führt sie noch KidSeta Lace, ebenfalls ein Filace-Lacegarn bestehend aus 70% Mohar und 30% Seide.

Und hier ist sie nun in all ihrer Pracht. Darf ich vorstellen: Lazy Anna.

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Ein Kommentar auf "Lazy Anna"

  1. Michaela sagt:

    Hallo Martina,
    fast dachte ich, ich hätte diesen Artikel geschrieben. Ich kann nur zustimmen, was Du in den Abschnitten über Rhythmus und Komplexität des Musters geschrieben hast. Es geht mir ganz genauso beim Betrachten einer Strickschrift, daß ich nicht glauben kann, daß dies tatsächlich das Tuch ergeben soll, das ich mir ausgesucht habe. Und oft ist es wirklich so, daß die Muster, die am einfachsten aussehen am schwierigsten zu stricken sind und umgekehrt.
    Bis bald.
    LG
    Michaela

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